Im Vergleich zu vielen anderen Krankenhäusern ist die Klinik noch jung. Die Inbetriebnahme erfolgte im Jahre 1955. Im September 2005 wurde schließlich das 50-jährige Jubiläum gefeiert.
Im April 1936 erhält Marl das Recht, die Bezeichnung "Stadt" zu führen. In der beurkundeten Begründung betont der Oberpräsident der Provinz Westfalen, dass die Gemeinde Marl unter anderem "durch ihre kulturellen und sozialen Einrichtungen städtisches Gepräge besitzt". In Münster übersieht man, dass den "sozialen Einrichtungen städtischen Gepräges" noch empfindlicher Mangel anhaftet.
Verletzte und Kranke aus der jungen Stadt können nur in Krankenhäusern benachbarter Städte - Recklinghausen, Dorsten, Haltern und Buer kommen dafür in Frage - untergebracht werden. Dort ist Platzmangel zunehmend die Regel, als sich Marl endlich 1943 zur Errichtung eines Behelfskrankenhauses gezwungen sieht.
Es entsteht am Lehmbecker Pfad in angekauften Wehrmachtsbaracken, in denen 75 Patienten und ein kleiner Operationsraum untergebracht werden können. Das Barackenkrankenhaus wird im April 1944 seiner Bestimmung übergeben. Im Endausbau kann es 170 Betten anbieten und bis zu seiner Auflösung Ende 1957 rund 29.000 Kranke in stationärer Aufnahme betreuen.
Am 01.05.1945 übernimmt der Facharzt für Chirurgie, Dr. Martin Ludwig, die Leitung des Barackenkrankenhauses. Er wirkt später maßgeblich bei der Planung der neuen Klinik mit, an der er dann als Chefarzt tätig ist. Am 29.10.1969 wird er mit der Stadtplakette, der höchsten Auszeichnung, die Marl zu vergeben hat, in den Ruhestand verabschiedet.
In seinen nachgelassenen Erinnerungen beschreibt Dr. Ludwig die Zeit im Barackenkrankenhaus ("in dem wir zeitweise unter primitivsten Verhältnissen gearbeitet haben"): "Es entsprach bei ständig zunehmenden Einwohnerzahlen längst nicht mehr den Ansprüchen der Bevölkerung. Die Betten sind immer überbelegt und täglich müssen Schwerkranke, mitunter sogar Schwerverletzte in die benachbarten Krankenhäuser weitergeleitet werden. Der Wunsch nach einem neuen Krankenhaus wurde immer größer und die Notwendigkeit immer dringender".
1948 stellt der Rat der Stadt Marl 5.000 DM für erste Probebohrungen des Baugrundes an dem dafür vorgesehenen Standort zur Verfügung.
Der Rat der Stadt Marl legt am 22.06.1949 den endgültigen Standort für das Krankenhaus fest (Lipper Weg). Ursprünglich war auch das Gelände am Steinernkreuz in Erwägung gezogen worden.
Der Standort liegt in einem Gebiet, das nach seinerzeit geltender Bauklasse nur dreigeschossig bebaut werden darf. Diese Bindung wird Gegenstand der 1950 erlassenen Ausschreibung eines Wettbewerbs unter neun ausgewählten Architekten.
Acht von ihnen halten sich an die vorgegebene Höhenbegrenzung. So fällt nur der zweite Preis an Professor Werner Hebebrand und Dipl.-Ing. Walter Schlempp aus Frankfurt, die "eine Konzentrierung der Baumassen wegen der Wirtschaftlichkeit des Betriebes als selbstverständliche Voraussetzung" vortragen und ein höheres Haus entwickeln.
Am 31. 07. 1951 spricht ihnen der Rat der Stadt den Planungsauftrag für eine fünf- bis sechsgeschossige Bauweise zu.
Obwohl der Regierungspräsident in Münster den vorliegenden Entwurf als eine "Ideallösung" bezeichnet, gibt es in Marl viele Bürgerinnen und Bürger, die gegen das geplante Bettenhaus mit seinen später acht Stockwerken Sturm liefen, weil ihnen das Krankenhaus zu hoch erschien. In Bürgerversammlungen ging es um diesen "Wolkenkratzerhaus" hoch her.
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 28.02.1952 | Architekten präsentieren einen Vorentwurf, der mit Sachverständigen-Unterstützung eine acht- bis neungeschossige Bauausführung vorsieht. |
| 03.06.1952 | Der Haupt- und Finanzausschuss beschließt den sofortigen Baubeginn. Dieser Beschluss wird am 16.06.1952 vom Rat der Stadt bestätigt, nachdem bereits die Bauarbeiten begonnen hatten. |
| 07.06.1952 | Baubeginn der Paracelsus-Klinik |
| 29.07.1952 | Grundsteinlegung |
| 06.03.1953 | Richtfest der ersten drei Bauabschnitte (Ostflügel neungeschossiger Bettentrakt, achtgeschossiger Behandlungstrakt, dreigeschossiges Ambulanzgebäude) |
| 01.11.1955 | Fertigstellung des I. bis III. Bauabschnitts; Bettenhaus A-Seite, Behandlungstrakt, Ambulanzgebäude, Tag der offenen Tür mit 27.000 Besuchern |
| 01.10.1955 | Baubeginn IV. Bauabschnitt; Bettenhaus B-Seite |
| 15.11.1955 | Einweihung nach Fertigstellung der ersten drei Bauabschnitte; Bettenhaus A-Seite, Behandlungstrakt, Ambulanzgebäude |
| 28.11.1955 | Inbetriebnahme |
| 01.10.1957 | Inbetriebnahme Bettenhaus B-Seite; am 15.10.1957 werden die letzten Patienten aus dem Barackenkrankenhaus in das neue Haus aufgenommen |
| 20.10.1957 | "Marler Paracelsus-Tage"; Paracelsus-Klinik wird Mitglied der Internationalen Paracelsus-Gesellschaft Salzburg, Text der Urkunde ansehen |
| 21.07.1958 | Planungsauftrag an den Architekten für einen fünften Bauabschnitt (Haus II) |
| 21.07.1958 | Baubeginn Infektionshaus (Haus II) |
| 02.11.1961 | Inbetriebnahme Haus II |
| 1964 | Erweiterung Ambulanzflügel (östliche Erweiterung) |
| 1967 | Indienststellung Ambulanzflügel (östliche Erweiterung) |
| 01.01.1978 | Wirtschaftliche Verselbständigung der Klinik zum Eigenbetrieb |
| 15.11.1980 | 25-jähriges Betriebsjubiläum |
| 20.05.1983 | Ratsbeschluss: Die Paracelsus-Klinik bleibt eine städtische Einrichtung und wird nicht verkauft. |
| 08.05.1985 | Inbetriebnahme Neubau Unfallchirurgische Ambulanz mit Krankenwagenhalle |
| 24.04.1986 | Inbetriebnahme Brückengang zwischen Haupthaus und Haus II |
| 28.04.1986 | Baubeginn Neubau Funktionstrakt |
| 15.05.1986 | 1. Spatenstich Neubau Funktionstrakt |
| 09.10.1986 | Grundsteinlegung Funktionstrakt |
| 04.03.1987 | Richtfest Funktionstrakt |
| Frühjahr 1988 | Angebot der privatwirtschaftlichen Paracelsus-Gruppe, das Krankenhaus für 10 Mio. DM zu kaufen. |
| 19.09.1988 | Einweihung Funktionstrakt |
| 14.01.1991 | Baubeginn Sanierung und Erweiterung des Behandlungstraktes (Altbau) |
| 1992/1993 | Abschnittsweise Inbetriebnahme der sanierten Bereiche Behandlungstrakt (Altbau) |
| 11.09.1997 | Baubeginn Anbau von 3 Nasszellentürmen am Bettenhaus |
| 12/1998 | Fertigstellung Anbau von 3 Nasszellentürmen am Bettenhaus |
| 05.03.1999 | Baubeginn Neubau eines Service-Zentrums, Baubeginn Umgestaltung Klinikgarten zum Patienten- und Bürgerpark |
| 08.12.1999 | Fertigstellung und Einweihung Neubau Service-Zentrum und Umgestaltung Klinikpark |
| 31.07.2000 | Erweiterung Klinikgarten im Umfeld des Hubschrauberlandeplatzes |
| 13.03.2001 | Baubeginn Anbau von 3 weiteren Nasszellentürmen am Bettenhaus |
| 12/2001 | Fertigstellung Nasszellen (2. Bauabschnitt) |
| 19.03.2001 | Baubeginn Neubau eines Parkhauses |
| 29.05.2001 | Grundsteinlegung Neubau eines Parkhauses |
| 23.10.2001 | Fertigstellung Parkhaus |
| 02.11.2001 | Baubeginn Neugestaltung Außenanlagen (Haupteingang) |
| 28.02.2002 | Fertigstellung Haupteingang (1. Bauabschnitt) |
| 30.05.2002 | Fertigstellung Haupteingang (2. Bauabschnitt) |
| 31.12.2005 | Fertigstellung Facharztzentrum im Klinikpark |